Die Dämonen heißen Myspace, Viva, MTV, Blond oder Clubbing.
Sie schleichen sich hinterrücks an Jugendliche an und werfen sich auf sie drauf. Zwar magersüchtig, aber dennoch übergewichtig drücken sie sie nieder und schlagen ihnen die Reißzähne in den zarten Nacken, um sich an frischem, sich neonpink verfärbendem Blut zu laben...
Keine Übertreibung!
Man wird quasi überschwemmt von Dauerparties, angesagten Clubs, trendigen Klamotten, Neologismen und Drinks, die eindeutig nach militärischem Ablenkmanöver klingen.
Oh, und Internet-Communities und Single-Börsen.
Hätte ich ein selbstgeknipstes Foto von mir, auf dem man nur das halbe Gesicht sehen kann, würde ich es hier als ganz schreckliches Beispiel reinstellen.
Leider habe ich keinen Myspace-Account und keine dämliche Frisur.
Ich werde auch nicht von meinen Freunden abgelichtet, dafür bin ich zu unfotogen, denn ich habe weder zwanzig Pfund Untergewicht, noch als Ausgleichsgewicht Make-up und Mascara (Und Kajal. Und Lidschatten.)
Pech.
Da ich beinahe wöchentlich ein wissenschaftlich wertvolles Magazin zum Studium der heutigen Jugend, ähm, kosumiere (trotz des beknatterten Layouts, der Wortwiederholungen, der niegrigen Druckqualität und der eindeutigen Voreingenommenheit der Red.), fühle ich mich tatsächlich in der Lage, eine Statistik, eine sog. In- & Out-Liste, zu erstellen, die die Weltsicht von Jugendlichen im Alter von 12 bis 21 Jahren verdeutlichen soll.
In
- Kinderarbeit zur Produktion peinlichen Schuhwerks und einheitlicher Kleidung (known as Chucks und H&M)
- fehlender Emanzipationswille bei Frauen
- Psychotherapien
- psychische Probleme
- Einheitsbrei
- Jugendkultur
- Manga und Anime (immernoch)
- Autos
Out
- Gesundheit
- Manieren
- Standardtänze
- Doctor Who
- Cartoons (gute)
- Fahrräder
- Kinderbücher (die gibt es ja eigentlich gar nicht)
- ShaNaNa
Ich könnte nicht behaupten, daß ich etwas gegen Benimmuntericht an deutschen Schulen hätte, zumindest nichts effektives.
Wenn mir eine Vierzehnjährige im Park brüllenderweise mitteilt, daß ich ihrer Meinung nach keinen BH trage, so halte ich das doch für äußerst bedenklich.
Wenn ich auf einem Schulhof mit Sachen beworfen werde, weil ich ein Buch lese, anstatt hinter der Turnhalle zu rauchen, halte ich das für ziemlich dämlich.
Wenn ich auf MTV eine von Mami und Papi finanzierte Studentin sehe, die laut und nicht sonderlich gut singt, Punk draufschreibt und dann als nächste Nina Hagen angepriesen wird (arme Nina), dann halte ich das für ein weiteres Zeichen, dass die Apokalypse nicht mehr weit sein kann.
Zumindest gesellschaftlich gesehen.
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